“Eingeteufelt”: Satans Spielfeld von Ute Cohen, ein Monster-Essay erschienen auf kult.ch

Zur Verun-Gestaltung von Ute Cohens Satans Spielfeld

 Die Bar, in der ich sitze sieht aus wie tausend andere für die kein Aas eine Gestaltungsidee hatte. Von Visionen wollen wir nicht reden, hier herrscht Rauchverbot. Mir gefällt das. So werden es weniger Kippen über den Tag. Während des lesens ist mir warm geworden, zum Glück trage ich meine Krawatte verwegen locker. Der Pinot Grigio ist eiskalt.

 Normalerweise bin ich ein Nipper. Bisschen angespannt, oft recht nervös, der Kollege. Ich nippe und nippe, sauge mich durch meine diversen Zwanghaftigkeiten und was weiß ich nicht alles. Eine Frau meinte mal im Babylon zu Berlin, ob ich einen an der Klatsche hätte? Sie war eine meiner ein, zwei Langzeitobsessionen, ich befand mich final in der Defensive, und so flötete ich etwas von oraler Veranlagung und begrub mich anschließend unterm Kottbusser Tor.

Im Moment bin ich kein Nipper, sondern werde zum Schütter. Ich könnte mir die ganze Flasche in den Hals stellen und müsste immer noch trocken schlucken. Der Grund? Satans Spielfeld von Ute Cohen.

 214 unten: Da steht kein – Ende. Muss nicht sein, es ist eindeutig, dieses Ende. Geschafft also. Die letzte Seite lässt mich übrig …, auch wenn ich das Gefühl habe, nie wirklich drin gewesen zu sein.

“Sehr geehrter Herr Nabokov. Das vorliegende Buch ist aus einer strikt weiblichen Sichtweise erzählt …”  

Was die Perspektive angeht, bin ich somit per se draußen. Schade drum, aller Wahrscheinlichkeit nach wäre ich eine erstklassische Pussy geworden. Wie um alles in der Welt soll ich mich über dieses schlanke, und trotzdem so gewaltig, gewalttätige Werk auslassen?

Mit dem Drumherum ist das kein Problem, wie Sie gleich lesen werden, oder nicht. Das hässliche Entlein durch den Kakao zu ziehen – a lot of fun. Aber wie sieht es mit der schwarzen Schwanenfrau aus, welche mich im Inneren erwartete? Das können und sollten Sie selbst herausfinden, indem sie dieses schwer fassbare, weil so unfassbar ehrliche Buch lesen.

1

Satans Spielfeld von Ute Cohen ist ein in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk. Lange vor Seite 1 besteht daran kein Zweifel. Beginnen wir mit dem Artwork. Wunschtraum – Lasst es uns schnell hinter uns bringen. Warnung – Das können Sie vergessen.

Das Buch stößt mich ab, wie der ewig wolkenverhangene Berliner Himmel. Längst überwunden geglaubte Bilder von lila Wänden, in der eiskalten Wohnung einer psychisch gestörten Prenzelbergler*i-nnin mitten in fucking Prenzelberg schießen mir in die Blutbahn. Ein Gestank nach aromatisierten Kerzen – (besonders grässlich: Vanillearoma) drängt direkt aus dem Hinterkopf, quasi von innen, durch die Nasenflügel. Ich fühle mich in die dunklen Neunziger zurückkatapultiert, stehe verloren am Bett von Katrin oder Kerstin, wie auch immer, sie ist Krankenschwester auf einer Palliativstation und das schon viel zu lange, aber an diesem Tag hat sie frei und es wird die längste aller Nächte werden …

Alles endlos lange her, heute um keinen Preis der Welt. Ein Mann kann ohne die falschen Frauen leben, vorausgesetzt, er hat die Richtige gefunden.

Toll, schon einiges losgeworden. Wenn ich mich bereits jetzt verfranse, komme ich zum Schluss, wenn die AFD im Osten ihre ganz spezielle Version einer neuen DDR ausruft.

“Na, so lange ist das doch auch nicht hin …”

Ruhe.

Wäre ich kein glühender Fan der essayistischen Arbeiten von Ute Cohen, oder gäbe es Facebook nicht, welches genau einmal im Leben echt den Unterschied ausmachte – da ich der Dame einst dort über den Weg lief – ich hätte dieses Buch niemals zur Hand genommen.

Ausgerechnet Facebook: Wo ich ansonsten generös darüber hinwegsehe, dass ich selbst zur Entspannung nicht unbedingt meine Zeit verschwenden müsste. Oder ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung etwa doch eine ziemlich ernste Angelegenheit? Touché.

Ute Cohen – Das Wunder einer Herzens-angelegenheit.

Tapfer nehme ich das blasse Buch zur Hand, betrachte, was die Haptik zu bieten hat. Auf Haptik fahre ich voll ab; genau ein E-Book im Leben gelesen. Nur, dass mir die Haptik hier nichts hilft. Oder fassen sie etwa gern benutzte Tempotaschentücher an, auf der Schlotte im Freibad, wo sie mit Sandy fremdgehen? Na also.

2017. Die Leute kommen viel rum. Sie kaufen E-Books – für unterwegs. Die Buchläden sind trotzdem voll bis unters Dach mit richtigen Büchern. Wie geht das denn? Sollten das allein die Puristen in die schwarzen Zahlen wuppen? Nee, würde nicht reichen. Das Zauberwort heißt: Cocooning!

“Komm, Schatz, es sind unruhige Zeiten, lass es uns zu Hause so richtig gemütlich machen!”

Dazu braucht’s ein paar Kleinigkeiten. Als da wären: kunstlederbezogene Sitzmöbel zum Fläzen, auf denen sich easy verschütteter Rotkäppchen Rosé abwischen lässt, ‘nen Flachbild-Samsung in Fußballfeldgröße (Don’t worry, ganz ohne Batterien, Explosionsgefahr gleich null. Dass die CIA mithört, was für beknackte Fernsehserien Sie sich reinziehen, kann Ihnen eigentlich auch schnurz sein.) Abgerundet wird die kuschelige Wohlfühlwelt von der einen oder anderen Topfpflanze (zumindest wenn Sie eine Frau plus Katze minus Hund haben) und natürlich – von einer Unmenge an diversen Magazinen, Bildbänden und Romanen. Bücher sind aus vielerlei Gründen schlichtweg eine Notwendigkeit. Vor allem dann, wenn’s im Bett mit der Zeit ein wenig dröge geworden ist. Können Sie nix für, is’ halt so; mit der Zeit. Aber wer bitteschön, hat die Zeit, den ganzen Mist zu lesen, der sich da mit der Zeit anhäuft?

“Was magst’n zu Weihnachten?

“Weiß nich’, hab alles.”

“Ein schönes Buch?”

“Na gut… ”

OK, Donna Tart gibt’s alle zehn Jahre einmal – zum Glück – würde auch nicht schneller gehen, die kommt nicht hinterher. Short Stories haben wir abgewählt, die sind nicht in – einfach nicht genug Masse fürs Geld. Überhaupt: Mr. Carver ist lange tot. (“Rauchen Sie eigentlich auch immer noch?!”)

Bis die Schwarten also eines schönen Abends endlich dran sind, sind sie in der Zwischenzeit ja trotzdem da. Also müssen die Dinger (Scheiß Staubfänger!) auch bitteschön ein wenig fancy aussehen. Was das Gros der Verlage in der Zwischenzeit begriffen hat. Wozu der Septime-Verlag nicht zählt.

Ich versuche mich zu überwinden. Ich versuche, emphatisch zu sein: Satans Spielfeld…? Hm … Ich versuche, mich in die Nesseln …, ich meine, mich hinein zu versetzen:

“Gott, was könnte dazu passen …?”, wird sich der verantwortliche Mitarbeiter, sprich Layouter des Verlages gefragt haben, wobei ich unterstelle, dass die Welt prinzipiell im Lot ist. Dass lediglich kleine Missgeschicke passieren, für die niemand etwas kann, weil sich alle ordentlich Mühe geben. Eventuell ist dem jedoch nicht so. Dann hätte sich der Mann den Schädel an der Frage zerrieben, dass nach Möglichkeit 1 zu 1 draußen drauf stehen sollte, was innen, – siehe auch: von der Handlung her … – zu erwarten ist. Und genau danach sieht es aus: Allzu Komplexes könnte verwirren, schließlich sind die Leute dämlich, das Biz ist hart, es muss echt alles passen. Hm, Lolita, Nabokovs Lolita, in Frau Cohens Buch geht’s um ‘ne Elfjährige – oder isse schon Zwölf? – Mnjäh, Mnjäh, Mnjäh; also ebenfalls eine Lolita, eine Kindfrau, jedenfalls noch lange kein Teenager …

Aber hey, letztendlich sind es doch alles noch Kinder, die Mädels. Den “sexuellen Kindesmissbrauch”, den Burner, den Bringer …, müssen wir eh’ im Klappentext andeuten … – was heißt hier andeuten -, absolut und ohne jeden Zweifel deutlich herausstreichen! Also, schmieren wir doch ein blassgraues Bildchen aufs Cover, natürlich, von und mit einem Kind, oder einer Kindfrau, für einen ausgewachsenen Teenager wirkt es – erfreulicherweise – viel zu schwindsüchtig. Lustig, sieht aus, als gehöre es in die Kinderbuchabteilung, steht aber in der Belletristik! Von A bis Z, zwischendurch V wie verwirrend. Da merkt die Kundschaft sicher auf!

Verbrochen beziehungsweise erschaffen hat unser Mädchen eine gewisse … Nein, stop! Auch Anti-Werbung ist Werbung! Ich kenn mich aus, aber mache nicht mit. Nein. Wenn Sie Lust haben, sich – rein zur Entspannung – mal ein bisschen auf Fotolia zu langweilen, dann werden Sie die Kleine schon finden. Kleiner Tip: Sie ist blass und fadendünn.

(Stammt das Wort Fade … im Sinne von “ziemlich dünne”, eigentlich von dem Wort Faden ab…? Welcher ja auch, im Allgemeinen, total dünn ist?)

Anyway, die Kleine hockt traurig auf seltsamen Luftkissen, die Füßchen hängen staksig vorne über, sie starrt paralysiert vor sich hin, wirkt ziemlich benommen … Hm. Sie muss gerade eben vergewaltigt worden sein!

Yeah! Passt!

Je länger ich das tuberkulöse, eklige Bild auf dem Cover betrachte, desto siedend heißer durchfährt es mich: Eventuell irre ich mich ja total und tue dem Verlag, all den hart arbeitenden Menschen, welche so sehr an ihre Künstler glauben, dass sie selbst ihr letztes, hässliches Leinenhemd für sie hergeben würden, hier schweres Unrecht an?

Aber ach, was hört man nicht alles aus der sagenumwobenen Welt der Verlage… No deep dive… not today. Die Literaturszene? Am Ende ebenso abgefuckt wie die Musikindustrie im schönen deutschen Ländle? Who cares … zum Glück hab ich mit all dem nichts zu tun.

Wie dem auch sei, mir bringt gerade ein vollkommen schräger Gedanke die Wangen zum Glühen: Vielleicht, aber nur vielleicht, stellt das dürre Mädchen auf dem Cover ja die Autorin Ute Cohen höchstselbst dar?

Ja, nun lassen Sie uns mal nicht kleinlich sein, natürlich ist die Dame auf dem Bild künstlich verjüngt. Wie sollte sie mit 11, direkt nach einem weiteren saftigen, nein, total trockenen Fick – weil irgendein fünfzigjähriges Schwein sich weder die Mühe macht, sie in Stimmung zu bringen beziehunsgweise nicht einmal mit Spucke nachhilft -, wie sollte sie da bereits den Abstand gehabt haben, dieses grandiose Buch zu schreiben?

Im Interesse der Autorin hoffe ich, dass ihre Inspirationsquelle vielleicht im Schicksal einer Freundin ihren Ursprung hat. Oder dass ihr, was das Sujet angeht, der eigentlich längst überfällige Gedanke kam, dass die Erzählperspektive von Herrn Nabokov noch Luft nach oben lässt. Heute, wo Frauen und Männer ja so einiges gemeinsam aus der ersten Reihe erleben …

Oder hat sich Frau Cohen gar alles nur ausgedacht? Nach einer behüteten Kindheit? Das darf …, das dürfte die Autorin natürlich. Ist schließlich Literatur. Immerhin schreiben auch Leute relativ überzeugend über den Krieg, welche ihn nie erlebt haben. Kuscheliger Externalisierungs-Fleece hin oder her – heutzutage findet unsere Zellstruktur, oder besser, unsere Psyche, – wie träge und blöd sie sich auch anstellt – schließlich so einiges da draußen im alltäglichen Leben, was sich bisweilen ziemlich kriegerisch anfühlt. Ein Jeder kann sich da gut was mitnehmen, das Biest ist schließlich für uns alle da. Der Rest besteht in einer blank gestrichenen Portion Abstraktion, vielleicht bewegen wir uns auch ein bisschen vor, oder besser zurück in der Zeitschiene und fertig ist der neueste Karl May. Oder ist das ganze Gerede über Allergien, Drogenmissbrauch und endlose Wartezeiten auf einen Gesprächstermin beim “Shrink” etwa vollkommen überbewertet? Heutzutage hört man uns doch immerhin zu. Oder etwa nicht?

Zum Teufel aber auch, wie kann man nur so zynisch sein!? Was, Ich? Aber nicht doch. Ich frage mich lediglich, warum, um alles in der Welt, wird bei dementsprechenden Buchempfehlungen – siehe Spoiler, siehe Klappentext, siehe Werbung – so gern mit sexuellem Missbrauch bzw. mit pädophilen Abartigkeiten hausieren gegangen? Oft vollkommen losgelöst vom Kontext, beziehungsweise, der Komplexität der jeweiligen Handlung?

“Ich glaub’, in dem Buch geht es um sexuellen Missbrauch von Kindern … ”

“Wow! Na da guck ich dann doch gleich mal rein.”

Geht’s noch?

2

Womit wir beim Klappentext wären.

Der Hammer.

Nein, ich zitiere den jetzt nicht hier herunter. Mein Text ist auch so schon zu lang. Zum einen, weil ich ihn nicht schreiben will, beziehungsweise, weil ich ihn viel zu sehr schreiben will, zum Anderen, weil sich zur Eitelkeit eine gewisse Formschwäche gesellt. Vertrauen Sie mir bitte einmal und kaufen Sie das Buch. Schlagen Sie es auf, sehen sie nach links oben auf der Umschlagsseite und versinken sie im Schnelldurchlauf. Dauert kaum länger als ein Like unter’m Katzenfoto und schon können Sie mitreden. Denn frisch von der Leber weg, (Frau Hendricks wird sicher gerade als Geheimwaffe gegen die Geschäftsgrundlage der fünften türkischen Kolonne in Deutschland installiert, sonst würde sie augenblicklich einschreiten) will sagen, saftig wie ein frisch weichgeklopftes Rindersteak wird hier der Inhalt von Satans Spielfeld brutusmäßig verraten, weil nahezu komplett ausgeplaudert. Der gleich an erster Stelle stehende, fast überfallartige Vorschlaghammerschlag, in Bezug auf die Premiumproblematik, siehe auch: sexueller Kindesmissbrauch, braucht sich in diesem Fall nicht allzu dämlich vorzukommen. Im Anschluss werden nämlich sämtliche weitere Triggerpunkte der Handlung ebenfalls wie wild angerubbelt. Kein Themenkomplex, welcher nicht genussvoll aufgezählt und abgerechnet würde. Zum Schluss knallts mir echt den Hut von der Glatze, wie sonst nur die Begegnung mit dem falschen Mann zur falschen Zeit, wo immer es Ihnen beliebt in Dresden: Das Ende des Buches wird hier um ein Haar nämlich auch gleich mit verwurstet.

Ok, wenn man oft genug abschweift, läuft es wohl darauf hinaus, sich letztendlich um den gesamten Artikel zu drücken … Das orgiastische Exzerpt im Klappentext jedenfalls, erinnert penetrant an diverse journalistische Info-Häppchen im Netz. Brav wischen wir auf “Mehr lesen” herum. Fuhm …(!) und Trauerspiel ab:

Hey, hier gehts um dies und das, keine Sorge, das meiste haben wir extra für Sie weggelassen! Natürlich nur, um ihre kostbare Zeit zu sparen! Dafür ist unser Artikel schwer aktu…, wir meinen natürlich leicht und aktuell, er wurde sogar schon lange vor Ende der Abstimmung zum Verbot der NPD an die Redaktion gemailt. Wir denken, wir liegen richtig, wenn dem nicht so sein sollte, Sie wissen ja: “Wer nicht wagt usw. …, jedenfalls, wäre das auch egal, dann gäbe es halt ‘ne neue, brandheiße Nachricht. Von uns für Sie, morgen frisch auf’s Neue, und ab dafür! Achso: Lesezeit (mit Hochschulabschluss) eine Minute und 57 Sekunden, Abopreis 5,70 Euro die Woche…

Top.

Naja, vielleicht sollte ich, anstatt mich zu beschweren, lieber die Möglichkeiten entdecken? (Eine Ikea-Kommode steht auch ohne Rückwand leicht schief und wer will schon alles wieder auseinanderbauen, nur um dieses labbrige Pappding einzusetzen?) Zum Beispiel wäre, mit einer der kleinsten Arial-Schriftgrößen, eventuell sogar das gesamte Buch im Klappentext unterzubringen? Statt vollgekritzelten Seiten zwischen den Buchdeckeln, so wie immer, könnte man sich von Stephen King inspirieren lassen. Siehe auch: Knast – Buch – Steinhammer – Freiheit. In unserem Fall enthielte Satans Spielfeld dann eine Lupe inklusive, oder aber, einen zweiten, ganz anderen, ja, am Ende gar einen Überraschungs- Roman?! Eine Vorstellung, die das Potential in sich trägt, nichts weniger als eine Revolution im Buchhandel einzuläuten! Surprise, surprise! Buy one – get two! Septime macht’s möglich!

Es wird Sie an dieser Stelle sicherlich erfreuen zu erfahren, dass der soeben von ihnen überlebte, letzte Absatz – wir erinnern uns – sich lediglich auf den, innen im Buch auf der Umschlagsseite befindlichen Klappentext bezieht. Der (zusätzliche!) doppelt so lange, außen auf dem Buchrücken, hat hier bisher keinerlei Erwähnung gefunden. Das bleibt auch so. Nur soviel: Nach dem Genuss dieser weiteren halben Seite Generalzusammenfassung bleiben nicht einmal Fitzelchen diverser Fragenreste übrig, jegliche Eigeninterpretation des Geschehens gerinnt zu Essig-Essenz. Aber davon wissen Sie ja nichts. Ansonsten wäre ich wieder einmal arbeitslos und müsste weiter an meinem spannenden 2000 Seiten Werk schrauben, in dem die überaus spannende Tatsache, dass ich des Nachts nicht schlafen kann, einer umfassenden Analyse unterzogen wird. Apropos arbeitslos: Ich frage mich an den Selbstbedienungskassen bei IKEA und REWE jedes Mal, wie es eigentlich in den freundlichen Mitarbeiter*innnnnnnnninnen aussieht, während sie beflissen dabei behilflich sind, ihre eigene berufliche Existenz in naher Zukunft überflüssig zu machen.

Nicht, dass wir mit den Bildern durcheinander kommen: Ich zahle meinen Kram nur gerne selber und ziehe es vor ein Buch erst zu lesen, bevor ich es erklärt bekomme.

How.

3

Abgesehen von der äußeren Verschandelung und dem Verrat an der Sache, ist in diesem Buch auch das Lektorat das blanke Spielfeld Satans. Jetzt wird es leider wirklich gefährlich für den kostbaren Inhalt, denn das Lektorat eines Textes, ist, nun ja, im allgemeinen ja ziemlich nah dran am Text …

Zwar verspüre ich keinerlei Lust, hier dezent auf einen Haufen Typos und Fehler wie z.b. doppelte Wörter einzugehen. Wie auch? Ich bin Legastheniker. Ein Korrekturleser sollte das allerdings nicht sein. Wer Romane schreibt, egal wie gut oder schlecht die am Ende geraten, der weiß es: Man sieht lange Zeit weit hinter die Wörter, spiegelverkehrt geben sie Räume frei, die Mathematik der Buchstaben verschwimmt wie hinter Milchglas. Du siehst es einfach nicht mehr, so wie ein Mann die falsche Frau heiratet, und/oder die Lady klandestin und ganz hush hush, einen noch viel größeren Mistkerl liebt. Apropos Frauen und Korrekturleser*innnnninnen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass hinter dieser Stümperei eine Frau mittleren Alters steckt, (nur Frauen können derart stutenbissig vorgehen, sonst hieße es ja hengstbissig). Versuchsanordnung: Stellen wir uns die Lektorin als eine Dame vor, welche augenscheinlich lieber selber schreiben will. Eine Dame, mit der ein Mann eine Scheidung durchaus physisch überleben kann, nur um danach für immer pleite zu sein. Warum sollte also ausgerechnet diese, so dermaßen resolute Lady, mit Sorgfalt und Gründlichkeit am Text einer Rivalin arbeiten?

 Fein. Fein vom Leder gezogen. Unreflektiert, polemisierend, weniger moussierend …, was soll der Mist? Sonst gar nicht meine Art? Naja, eigentlich schon. Ich finde so etwas doch nur bei anderen Panne. Vielleicht besser regelmäßig ein wenig Dampf ablassen? Ist mittlerweile allgemein üblich …

Vielleicht können Sie und ich uns ja darauf einigen, dass der “Populist” am Ende auch nur ein Schimpfwort ist, bei Bedarf in nahezu allen Kleidergrößen lieferbar. Höllenhündisch hüten sollten wir uns hingegen vor jeder Art von Fake-News. Muss ja auch nicht sein, einem jeden von uns, natürlich auch und vor allem den am Weltgeschehen interessierten Frauen, steht es jederzeit frei, bei Google akribisch Quellensuche zu betreiben oder gleich bei Wikipedia nachzusehen. Dort wird alles auf den Wahrheitsgehalt hin kontrolliert.

Alternativ steht es Ihnen frei, jederzeit die Pressekonferenzen von Herrn Spicer verfolgen. Ok, deswegen war noch lange niemand von uns auch nur eine Sekunde vor Ort in Aleppo mit dabei. Würde ich uns verweichlichten, herzlosen Wiederkäuern auch nicht geraten haben. Obwohl ich natürlich verstehen kann, dass selbst in diesem Punkt kein Mensch mit seiner ganz eigenen Meinung hinterm Berg will. Wir lassen uns ja allen Ernstes auch über die Juden aus, für uns gibt es keinerlei Grenzen der Hybris. Sollte Sie trotzdem hin und wieder Skrupel plagen, so wäre das im Grunde zu begrüßen. Ich für meinen Teil kann nur immer wieder darauf verweisen: Nutzen Sie ihre Möglichkeiten! Sollte Spiegel Online Sie misstrauisch machen, schauen sie doch bei RT rein! legen Sie anschließend einfach beide Wahrheiten dort übereinander, wo sie sich überlappen (z.B. bei der geographischen Lage (Bautzen, Syrien, Weihnachtsmarkt) oder dem Thema (ein umstrittenes Buch, ein umstrittener Kriegseinsatz oder die umstrittenen Ursachen einer Preiserhöhung von Katzenfutter.) Nun müssen Sie sich selbst ein wenig einbringen, “e bissel mitmachen”, wie der Sachse sagt, wenn er nicht gerade singt oder Losungen brüllt: Starren sie jetzt bitte zirka fünf Minuten auf den bunten Matschhaufen, welcher durch das Zusammenlegen einander vollkommen widersprechender Wahrheiten entstanden ist. Und siehe da, nach einer Weile wird Ihnen das alles nicht mehr so wichtig sein. Sie werden Hunger bekommen, nochmal auf einen Sprung in die Mall gehen wollen, oder die Lust verspüren, ein gutes, ja geradezu phantastisches Buch zu lesen. Ein Buch, randvoll mit ungeschminkten Wahrheiten. Dann wird es Ihnen wie Schuppen an der Netzhaut vorbei rieseln:

 Satans Spielfeld for President.

 Heiko “the army of HESH” Schramm

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