“Er war alle.” Satans Spielfeld von Ute Cohen, ein Monster-Essay erschienen auf kult.ch

Wer mit 20 Wörtern sagt, was man auch mit 10 sagen kann, der ist auch zu anderen Schlechtigkeiten fähig.” (Giosué Carducci)

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Kreide gefressen

Zu Anfang quäle ich mich von Satz zu Satz. Ich mag das Sujet nicht. Auch habe ich das Gefühl, da wäre nirgends Drive. Während des ersten Drittels denke ich, Frau Cohen hätte keinen Drive (oder wäre zu diversen Kürzungen gedrängt worden – besser ein Buch im Handel, als ein noch besseres auf der Festplatte).

Blödsinn. Die Sprache, jeder einzelne Satz ist staubtrocken, so reduziert, dass er mir wie eine Gräte im Hirn steckt. Seite um Seite kapiere ich: Frau Cohen lässt mich die Tristesse im Leben ihrer Protagonistin nicht allein in den Szenenbildern spüren – Sprache und Tempo werden ebenso konsequent herangezogen. Frau Cohen wirft in die Schlacht was sie hat, sie sorgt dafür, dass ich genau da bin, wo ich hingehöre: Dort, wo ihre tragische Heldin die ganze Zeit über leben muss. Ich werde gezwungen (mit-) zu leiden. Was verdammt nochmal härter ist als simples Mitleid. (Mitleid, längst der gebräuchlichste Vorname unter uns Externalisierungsmaden, bedeutet einen Scheiß.) …

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