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The Story of my Tattoos veröffentlicht auf kult.ch

Mein Name ist Heiko Hesh Schramm. Geboren wurde ich am 8. Juni 1971. Einige Monate später, am 24. Oktober des selben Jahres, starb in Paris ein Mann namens George Dyer. Im Bad seines Hotelzimmers kotzte und schiss er sich die Seele aus dem Leib, und am Ende den Leib selbst noch hinterher.

Die Dauer dieses Ringens mit dem Tode blieb im Dunkeln, dem Beteiligten selbst könnte es quälend lange vorgekommen sein. Wohl bekannt hingegen ist, dass zum Zeitpunkt des Todeskampfes von George, der berühmte Maler Francis Bacon im Pariser Grand Palais die Vernissage zu einer umfassenden Retrospektive seines Werkes feierte.

Die Pariser Kunstmeute raste vor Begeisterung, für Bacon war der Abend ein Triumph.

Francis war der Geliebte von George.

Bacon’s Liebesbeziehungen trugen wiederholt, jeweils über die Zeitspanne eines Jahrzehnts, den Namen eines einzigen Mannes. George stand für die 60iger Jahre. Er bevorzugte, so wie ich, die schmalen Schlipse.

So gesehen waren die beiden Ende ‘71 spät dran, andererseits soll Dyer Bacon’s große Liebe gewesen sein.

1973 malte Bacon ein Triptychon: In Memory of George Dyer.

Es zeigt Dyer im Todeskampf.

Die Schatten werden im Verlauf der dreiteiligen Bildreihe zur obsiegenden Fratze des Todes. Die Bilder zeigen die Nacktheit eines Menschen, wenn es keine Chance gibt, ein weiteres Mal, “Oh bitte, zum allerletzten Mal…!”, noch einmal mit dem bisschen Leben davon zu kommen.

Schlimmer noch, man spürt den Hohn des Siegers.

Die Einsamkeit im ultimativ letzten Aufbäumen, kaltschweißig, nass glänzend – auf nackter Haut. …

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